Dieses Programm ist eine Hommage an einen der grössten französischen Barockkomponisten des 18. Jahrhunderts, den eigentlichen Begründer der französischen Violinschule. Der Titel spielt auf ein historisches Ereignis an: den musikalischen Wettstreit zwischen Leclair und Locatelli in Kassel, bei dem Letzterer als «Teufel» und der Franzose als «Engel» bezeichnet wurde. Diese Bezeichnung passt jedoch kaum zum launischen Charakter des Komponisten, der einer Filmfigur würdig war und sich so viele Feinde machte, dass er 1764 ermordet wurde.
Das Programm bietet einen reichhaltigen Überblick über seine wenig bekannte Instrumentalmusik – jenes Genre, das den Kern von Leclairs Schaffen ausmacht –, wobei die Oper «Scylla et Glaucus» eine Ausnahme bildet. Leclair beschäftigte sich mit unterschiedlichsten musikalischen Formen, wenngleich seine vier Bücher mit Violinsonaten als Hauptwerk und als Meilensteine des Repertoires gelten können.
So erklingen Auszüge aus der «Seconde Récréation de musique», einer echten französischen Suite mit Ouvertüre, charakteristischen Tanzsätzen und einer Chaconne, deren Geist genau dem Titel entspricht. Die Ouvertüre op. 13 ist eine Transkription der Ouvertüre der Oper «Scylla et Glaucus» für Trio, in der die heroische Atmosphäre der lyrischen Tragödie spürbar wird. Sein Opus 4, vielleicht das am wenigsten bekannte Werk Leclairs, birgt dennoch ungeahnte Meisterwerke, wie etwa die Triosonate in d-Moll, die in der viersätzigen Kirchensonatenform steht, in der der Komponist seine Beherrschung des Kontrapunkts beweist.
Mit seinen Duetten für zwei Violinen ohne Bass erfindet Leclair eine neue musikalische Form, die in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts – insbesondere im Kontext der Entwicklung der Amateurmusik – einen durchschlagenden Erfolg haben sollte. Das äusserst reichhaltige Duorepertoire umfasst Werke von Haydn, Boccherini, Nardini, Guillemain, Guignon und später sogar Spohr. Leclair ist unübertroffen darin, die beiden Stimmen miteinander zu verweben und den Solist:innen abwechselnd die Möglichkeit zu geben, zu glänzen.
Die Sonate Nr. 10 aus dem dritten Buch ist eine perfekte Demonstration seiner Kunst. Das erste Adagio mit seinen Doppelgriffen und einem «Walking Bass» im Stil Corellis strahlt eine geheimnisvolle und eindringliche Atmosphäre aus. Das folgende Allegro mit seiner italienisch geprägten Virtuosität stellt die Violine in den Vordergrund, während die darauffolgende Aria im Rondeau-Stil, in typisch französischer gebrochener Schreibweise, eine tiefe Nostalgie verströmt. Das berühmte Tambourin im Finale beschliesst die Sonate auf festliche und mitreissende Weise.
Interessanterweise wurde eine Kopie dieser Sonate im Archiv der Kathedrale von Mexiko gefunden – ein eindrucksvoller Beleg für den Erfolg und die weite Verbreitung von Leclairs Werken bereits zu seinen Lebzeiten.